aus der geschichte des frauenchors rickenbach

von Verena Mörgeli



Gründung:


Am 3. August 1919 traten 13 singlustige Töchter zusammen und gründeten den Töchterchor Rickenbach. Heiratete ein Vereinsmitglied des Töchternchors, so musste es aus dem Verein austreten. Nicht nur diese Austritte verursachten regen Wechsel im Mitgliederbestand, sondern auch die Tatsache, dass viele Mitglieder von der Aktiv- zur Passivmitgliedschaft wechselten, wenn sie auswärts eine Arbeitsstelle annahmen. Später wurde auch den verheirateten Frauen der Verbleib im Verein gestattet.



Name:


Nachdem auch den verheirateten Frauen die Mitgliedschaft möglich geworden war, wurde der Verein in Frauen- und Töchterchor, zuletzt in Frauenchor umbenannt. Die für den Männer- und Frauenchor 1970 angeschaffte Vereinsfahne trägt die Aufschrift Gesangsvereine Rickenbach.



Zweck:


Zweck des Vereins ist, den Chorgesang zu pflegen, das Liedgut zu fördern und damit das kulturelle Leben der Gemeinde zu berei-chern.



Mitgliedschaft:


Der Verein zählte 1963 36 aktive Mitglieder bei einer Einwohnerzahl von etwa 800 Personen. Heute, unsere Gemeinde hat inzwischen 2683 Einwohner, besteht der Frauenchor aus 23 Aktivmitgliedern.



Vereinsfinanzen:


Im Gründungsjahr 1919 bezahlte jedes Mitglied einen Mitgliederbeitrag von 50 Rappen pro Monat. Unentschuldigtes Fernbleiben von den Proben zog eine Busse von 30 Rappen nach sich. Diese Busse verdoppelte sich bei einer Absenz vor dem 1.August. Der Dirigent hatte nur beratende Stimme und musste daher keinen Beitrag entrichten. Für seine Bemühungen erhielt der Dirigent 1921 Fr. 30.00 und Fr. 20.00 auf Neujahr als Geschenk. 1928 erhielt er an Weihnachten ein Geschenk von Fr. 50.00. 1945 wurde die Besoldung des Dirigenten um 50% von Fr. 2.00 auf Fr. 3.00 pro Abend erhöht. 1953 betrug der Mitgliederbeitrag Fr. 2.00 pro Monat und der Dirigent verlangte im Jahr 1964 eine pauschale Besoldung von Fr. 1'000.00 pro Jahr, nachdem er zuvor eine solche von Fr. 600.00 erhalten hatte. Nach jahrelangen Bemühungen um Unterstützung durch die politische Gemeinde wurde dem Chor erst 1966 ein jährlicher Beitrag von Fr. 100.00 zugesprochen. Dennoch waren die finanziellen Mittel des Chors immer sehr knapp und die Chormitglieder mussten durch verschiedene Arbeitseinsätze helfen, die Vereinskasse aufzustocken. So stellten die Sängerinnen verschiedene Backwaren zum Verkauf her, halfen an Unterhaltungen und Waldfesten tatkräftig mit, führten Kaffeestuben, schmückten drei bis fünf mal pro Jahr die Kirche für Hochzeiten und Konfirmationen und nutzten jede andere Gelegenheit, um einen Beitrag in die Vereinskasse zu leisten. Obwohl der heutige Mitgliederbeitrag Fr. 160.00 jährlich beträgt, sind Gelegenheiten zur Aufbesserung der Vereinsfinanzen immer noch sehr willkommen.



Musikalische Anlässe:


Bereits im Jahre 1920 studierte der Chor mit einigen Mitgliedern des Männerchors für bestimmte Auftritte Lieder für gemischten Chor ein. Solche Lieder gehörten lange Zeit zum Repertoire des Frauenchors und nahmen in den früheren Achtzigerjahren einen beachtlichen Umfang ein. Der Frauenchor präsentierte sein umfangreiches Repertoire anlässlich unzähliger Auftritte, so beispielsweise an Weihnachten, an Konzerten, an Hochzeiten, an den verschiedenen Sängerfesten oder auch bei speziellen Anlässen der Gemeinde wie etwa an der Schulhauseinweihung (1950), beim Aufzug der neuen Kirchenglocken (1966), an der Schwimmbadeinweihung (1964), an der Einweihung der Turnhalle und des Hallenbades in Sulz (1973), an der Einweihung der Mehrzweckhalle (1976) und an der Einweihung des Gemeindehauses (1981). Auch heute noch ist das Singprogramm des Frauenchors vielseitig und der Frauenchor engagiert sich weiterhin anlässlich diverser Festivitäten oder veranstaltet eigene Konzerte.



Geschichtliches:


Der Töchter bzw. Frauenchor kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Es ist deshalb nicht weiter verwunderlich, wenn die Vereinsgeschichte durch historische und politische Geschehnisse mitgeprägt wurde. So musste der Verein etwa während des Krieges in den Jahren 1939 bis 1945 Austritte verzeichnen, da das Geld für Notwendigeres als für Vereinsbeiträge gebraucht wurde. Proben mussten abgesagt werden, wenn der Dirigent im Militärdienst weilte, wenn die Dorfbewohner aufgrund der Maul- und Klauenseuche Hausarrest hatten, wenn im Dorf, wie im Jahre 1947 geschehen, Kinderlähmungsfälle zu verzeichnen waren oder wenn die dritte Singstimme fehlte. Wegen Hochwasser in Altikon (1965) konnte das Sängerfest nicht stattfinden.



Brauchtum:


Bis ins Jahre 1969 wurden beim Hinschied von Kindern und ledigen Erwachsenen Sarg-Kränze aus Immergrün vom Frauenchor angefertigt. Heute noch werden der Schützen- und Turnverein bei der Heimkehr von auswärtigen Anlässen abgeholt und auch die Geburtstagssingen dürfen nicht unerwähnt bleiben.



Ausflüge:


Bereits in den Zwanzigerjahren unternahm der Chor Ausflüge mit Pferdeschlitten oder Brückenwagen. Später reiste man zum Eggishorn, um den Sonnenaufgang zu bestaunen (1933). Auch ein anstehender Fussmarsch von 10 Stunden konnte die jungen Sängerinnen nicht von einer Reise abschrecken! Die Reiselust der Sängerinnen war derart ungebremst, dass ein Mitglied vor einer geplanten Chorreise bereits einen Tag zu früh abreiste und nach Entdecken des Irrtums in Bern auf die Ankunft des Chors am nächsten Tag warten musste.



Ausflüge und Reisen sind auch heute noch sehr beliebt beim Frauenchor und finden jährlich statt.



Zwar hat sich seit der Gründung des Chors das Freizeitangebot unglaublich vergrössert. Trotzdem ist die aktive Teilnahme im Chor weiterhin lohnenswert, denn Singen ist gesund, lässt uns unsere täglichen Sorgen vergessen und bereichert das kulturelle Leben in der Gemeinde.


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chronik des vorstands

Aufstellung der Vorstandsmitglieder seit 1919
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